Cyber Strafrecht Österreich

cybercrime im österreichischen Strafrecht

einheitliches Cyber-Strafrecht - Fehlanzeige

Ein Kurzüberblick

Es gibt weder ein einheitliches Cyber-Strafrecht noch eine allgemein gültige Definition des Begriffs - Wir geben folglich  einen kurzen Überblick über die allgemein gültigen Kategorisierungen und den wichtigsten Straftatbeständen im StGB

breitgefächerte, unkoordinierte Angriffe / zielgerichtete, komplexe Angriffe

Beim breitgefächerten Angriff wird Schadsoftware unkoordiniert mittels Massenmails oder über Internetseiten verbreitet - die Cyberkriminellen betreiben mit diesem "Schuss ins Blaue" wenig bis keinen Recherche-Aufwand.

Bei der zielgerichteten Cyberattacke greifen die Täter ausgesuchte Unternehmen oder Privatpersonen an. Die Opfer werden zuvor meist "ausspioniert" - weiter kommen dabei psychologische Tricks und raffinierte Software zum Einsatz.  

Cybercrime im engeren Sinn  / Cybercrime im weiteren Sinn

Bei Cybercrime Delikten im engeren Sinn gilt die IT-Infrastruktur als Angriffsziel. Die Straftaten sind gegen Netzwerke oder Endgeräte, Dienste, Daten und Software dieser gerichtet. Beispiele: Hacking / Cracking (§118a StGB) - Datenbeschädigung (126a StGB) - etc. Einige jener Deliktsformen sind als strafbare "Vorbereitungshandlungen" von Anschlussdelikten zu klassifizieren (Cybercrime im weiteren Sinn).

Bei Cybercrime Delikten im weiteren Sinn wird die IT-Infrastruktur für kriminelle Handlungen missbraucht - die ITK wird als Tatmittel für "herkömmliche" Straftaten  benutzt, wie Betrugsdelikte (§146 StGB), Cybererpressungen (§144 StGB), Cybermoobing (§107c StGB), etc.

Die wichtigsten Delikte im StGB

§107c Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder Computersystems - Cybermobbing

§ 118a Widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem - Hacking / Cracking

§ 119a Missbräuchliches Abfangen von Daten - mittels Hard- oder Software (Schnüffelsoftware)

 § 126a Datenbeschädigung  - Daten werden gelöscht, verändert, sonst unbrauchbar gemacht oder unterdrückt / Tatmittel z.B. Cryptolocker

§ 126b Störung der Funktionsfähigkeit eines Computersystems - durch Viren, Trojaner, Spam-Mails, DDos-Attacken (Systemüberlastungsattacken)

§ 126c Missbrauch von Computerprogrammen oder Zugangsdaten - "Cybercrime as a service" (CaaS): Herstellung, Veräußerung, ..., von Schadsoftware, Hackingtolls, Keylocker, etc. - Phishing (Passwortfischen)

§ 148a Betrügersicher Datenverarbeitungsmissbrauch - Programm Manipulationen

§225a Datenfälschung - Herstellung falscher Daten / Verfälschen echter Daten

     

Cybercrime Tatbestände in herkömmlichen Deliktsbereichen

§144 Erpressung

bei einer Cybererpressung werden mittels Ransomware sämtliche Daten eines IT-Systems, meist auch das Back-Up, verschlüsselt - zur Wiederfreigabe wird Lösegeld verlangt.Derzeit weitere gängige Deliktsformen: Sextortion - Massenerpressungsmails. 

§ 146 Betrug 

diverse Cyberbetrugsdelikte wie Waren- Bestellbetrug / Fake-Shops / Love-Scam / CEO-Fraud / Stranded Travellers / Tech Support Scam (Microsoft-Anrufe) / Cyber Trading Fraud / etc.